Chronik / Geschichte

Wenn man bedenkt, mit welchem Aufwand heute Fussball betrieben wird im Dorf, möchte man die ersten Jahre des FC Herisau als eher beschaulich bezeichnen. Langezeit dümpelte der Verein in den Niederungen der hiesigen Fussballligen und dies wie die Appenzeller Zeitung vermerkte, ohne weit über die engere Region auszustrahlen, aber in unserer Region gehört der Verein doch seit vielen Jahren zu jenen Vereinen, auf die man zählen darf.

Geburtsstunde des FC Herisau war am 1. Juni 1906. Als Gründer des Vereins wird Paul Schoch bezeichnet. Mit einer 0:5 Niederlage endete am 17. Juni 1906 das erste Wettspiel gegen die zweite Mannschaft des FC Phönix-St.Gallen. Am 14. Februar 1907 trafen sich die Mitglieder zur ersten Hauptversammlung. Als bedeutungsvoller Schritt muss die Gründung der Juniorenabteilung im Februar 1908 bezeichnet werden. Im selben Jahr schloss sich der Verein der Ostschweizerischen Fussballvereinigung an. Nach schwierigen Jahren, 1922/23 konnte nicht einmal eine Aktivmannschaft auf die Beine gestellt werden, feierte die 1. Mannschaft 1931/32 den bis zu diesem Jahr grössten Triumph. Ohne einen einzigen Punkt zu verlieren, wurde nach zehnjährigem Ringen mit einem Rekordtorverhältnis von 97:5 der Aufstieg in die 3. Liga erkämpft. Dazu holte die Mannschaft gleichzeitig die ostschweizerische Meisterschaft.

Bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges erlebte der Verein ruhige Zeiten. Während dem Krieg wurde sechs Jahre unter schwierigen Bedingungen gespielt und mit allen Kräften versucht, dass Vereinsschiffchen nicht untergehen zu lassen. Nach dem Krieg begannen wieder ruhigere Zeiten. Am 2. Mai 1954 wurde die neue Sportanlage Ebnet eingeweiht. Dies schien auch die 1. Mannschaft zu beflügeln, erreichte sie in den folgenden Jahren zwei Mal die Aufstiegsspiele in die 2. Liga, beide Male jedoch erfolglos. Die 1. Mannschaft tat sich auch anschliessend schwer das Vereinsziel Aufstieg zu erreichen. Erst 1965 gelang die Promotion in die 2. Liga, allerdings folgte der Abstieg postwendend.

Nach Jahren der Stagnation bahnte sich 1976 mit der Verpflichtung des ehemaligen FC St.Gallen-Spielers, Isidor Cina, als Spielertrainer ein Umbruch an. Er schaffte mit einer kampfstarken Truppe gleich in seinem ersten herisauer Jahr den Aufstieg in die 2. Liga. Erinnerungen an das Jahr 1965 wurden wach, doch diese Befürchtungen blieben diesmal unbegründet. Willensstarke Spieler scharten sich um einen seriös arbeitenden Trainer, so dass der FC Herisau für jeden 2.-Liga-Gegner ein unbequemer Widersacher war. Auf die Saison 1980/81 übergab Isidor Cina eine in jeder Beziehung gesunde Mannschaft in andere Hände. Und diese Elf schloss mit dem neuen Trainer Kurt Scheiwiller die Saison auf dem vierten Schlussrang ab, was damals den bisher grössten sportlichen Erfolg in der 75-jährigen Vereinsgeschichte bedeutete.

Unter Spielertrainer Scheiwiller war vor allem einheimisches Schaffen gefragt. Mit Goalgetter Zlatko Dupovac figurierte ein Star im Kader. Sportlich und personell bot der FC Herisau in der Folge reichlich Abwechslung.

Erste wichtige Akzente der Neuzeit setzten zwei Männer aus Deutschland. Charly Rauch (von den Amateuren Bayern Münchens) und Marian „Mani“ Respondek (ehemals Waldhof Mannheim und Freiburger SC) tauschten Mitte der Achzigerjahre die grossen Fussball-Arenen mit dem herisauer Ebnet. Respondek und Rauch haben die Funktion von Zündern, erklärt Trainer René Sidler vor den erfolgreichen Aufstiegsspielen gegen Wohlen, in dessen Reihen der 16-jährige Ciriaco Sforza figurierte. Es resultierte der Aufstieg in die 1.Liga.

1988 bestritt der FC Herisau einen Stichkampf um die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur NLB, er unterlag im Krontal Rorschach 0:2. Auch unter Hans Franz, dem Nachfolger Sidlers belegte Herisau zeitweise einen 1.Liga Spitzenplatz. René Müller hiess der Trainer von 1990 bis 1992. Immer geringer wurde die Zahl der Eigenen, es gab Phasen mit abenteuerlichen Transfers. So wurde beim FC Herisau zwei argentinisch-schweizerische Doppelbürger und ein Angreifer aus Island parkiert. Im Appenzellerland hinterliessen sie keine bedeutenden Leistungsausweise.

Nach dem Ausstieg eines namhaften Gönners fiel die erste Mannschaft gegen Ende der Saison 1992/93 auseinander. Nothelfer Jost Leuzinger als Nachfolger von Coach Markus Lehmann konnte den Abstieg auch nicht verhindern. Nach dem Abstieg in die 2.Liga wurde der Status „Dorfverein“ aus finanziellen Gründen als Maxime formuliert. Unter den Trainern Erwin Fritz und Jean Koller stabilisierte sich der FC Herisau mit eigenen Spielern und ein paar Akteuren aus der Region in der 2.Liga.

Als gesteuerte Fügung des Schicksals kann die Verpflichtung des ehemaligen NLA-Spielers Simo Mouidi (Winter 1999/2000) genannt werden. Der Marokkaner war zuvor aus einem laufenden Vertrag heraus als Co-Trainer von GC entlassen worden, so hatte Herisau nur für geringe Kosten aufzukommen. Mouidi brachte Professionalität, aber auch Ansprüche. Fünf Siege in den letzten sechs Saisonspielen trugen noch in extremis den Aufstieg in die 2.Liga interregional ein. Mit dabei waren: Mouidis Freund und Landsmann Chouaib Saykouk, ein Hühne von Gestalt mit FCZ Vergangenheit. Herisau hielt am Modell Spielertrainer mit Oberliga-Erfahrung fest. 2001 kam für zwei Jahre Heribert Koch, nachher Giuseppe Gambino. Schlussendlich erfolgte der Aufstieg in die 1.Liga mit dem 6:0 im Schlussbouquet gegen Absteiger Glarus.

Im Frühling 2004 sass mit Sascha Müller zeitweise ein zweiter langjähriger Oberliga Spieler auf der Auswechselbank der Herisauer. Müller war im Hauptamt beim FCSG-Nachwuchs angestellt, nachdem er im Super-League Verein die Aktiv Karriere beendet hatte. Sein Atem war für längere Einsätze nicht mehr immer stark genug, aber Müller sorgte auf dem Weg zur 1.Liga doch oft für Schwung und Gefahr auf seiner rechten Seite, gute Laune auf der Bank und druckreife Sprüche. Müller war parallel zu den erfolgreichen Cupauftritten des FC Herisau mitverantwortlich dafür, dass der Verein über die Gemeindegrenzen hinaus einen Aufschwung erlebte.

Aufstieg sind Festtage. Man steigt nicht jedes Jahr in die 2.Liga interregional oder in die 1.Liga auf. Aber speziell grosses Aufsehen erregten Herisaus Fussballer im Herbst 2003 und 2004 durch ihre Cuperfolge. Die Spiele gegen den FC Zürich und den FC Will stellten Höhenpunkte in der Vereinsgeschichte dar. Der FC Herisau war der letzte 2.Ligist, der die Cupkonkurrenz 2003/04 verblieben war. In der ersten und zweiten Hauptrunden setzte sich der FC Herisau zuhause gegen die Challenge-League Vereine Bellinzona (2:0) und Baden (3:1) verdient durch. Mit dem Heimspiel gegen Zürich wurden Mannschaft und Verein belohnt. Die Kehrseite der Medaille, es war im Vorfeld schwierig, den Kopf beim aktuellen Tagesgeschäft zu haben.

3'500 Zuschauer säumten am 9.November 2003 das Ebnet, das mit baulichen Massnahmen zu einem kleinen Stadion umgerüstet worden war. Tatsache aber war, dass der Cup-Weg des FC Herisau ein Ende fand. Der FC Zürich besiegte unsere Mannschaft mit 4:2 Toren. Ein Jahr später brillierte die Mannschaft abermals im Cup mit Spielen gegen FC Wil und den FC Zürich im Sechzehntelfinal. Auch dieses zweite aufeinandertreffen im Cup, vor 2'400 Besuchern endete mit einem Sieg der Zürcher.

In der Saison 2005/2006 erreichte der FC Herisau an dritter Stelle liegend die Berechtigung an den Aufstiegsspielen in die Challenge-League. Bei diesen Aufstiegsspielen scheiterten die Herisauer am Genfer Traditionsclub Servette. Nebst den Cuperfolgen war dieser Match um den Aufstieg in die ChL sicherlich der grösste Erfolg in der bisherigen Clubgeschichte. In der darauf folgenden Saison wurde der FC Herisau bei den Zeitungen als Transfersieger gehandelt. Die Mannschaft wurde durch Grössen wie Fabinho und Mordeku komplementiert. Beide wurden mit dem FC Wil Schweizer Cupsieger. Fabinho spielte nebst seinem Engagement in Wil auch zwei Jahre für den FC St.Gallen in der Super-League. Trotz vieler Lohrbeeren und Verstärkungen der schon starken Mannschaft vermochte diese Elf nicht zu überzeugen und landete im hinteren Tabellenteil dieser 1.Liga Gruppe.

In der Saison 2007/2008 stieg der FC Herisau an letzter Stelle der Tabelle wiederum in die 2.Liga interregional ab. Dies unter dem Trainergespann René Brandenberger und Andreas Alder. Auch die darauf folgende Saison wurde alles andere als ein Schaulaufen. Mit viel Mühe, Not und dem nötigen bisschen Glück wurde der sofortige Abstieg in die nächst tiefere Liga abgewandt. Maissognex aus dem Wallis zog sich in letzter Minuten aus dem Spielbetrieb zurück und verzichtete freiwillig auf einen Platz in der 2.Liga interregional. Diese Tatsache und ein einziges Tor mehr, dass Herisau gegenüber seinen Gegnern geschossen hatte, reichte zum Ligaerhalt. Dieser Nichtabstieg wurde wie ein Aufstieg gefeiert. In dieser schwierigen Zeit, leitete schon das Trainerduo Troccoli und Simoglou die Geschicke der 1.Mannschaft.

Wie schon einmal war Herisaus oberste Maxime auf die eigene Jugend zu setzen. In der Saison 2009/2010 fungierten im Kader der Mannschaft 14 Spieler mit herisauer Wurzeln. Trotz der erneuten Chance sich in der 2.Liga Inter zu behaupten, klappte es ein Jahr später wiederum nicht und man stieg in die 2.Liga regional ab. In diesem speziellen Jahr stiegen sogleich alle Aktivmannschaften als schlechteste Teams ihrer Gruppen ab. Auf die Saison 2010/2011 wurde wieder ein Trainer mit Axpo Super League Erfahrung engagiert. Schon in der Vergangenheit machte der FC Herisau gute Erfahrung mit bekannten Trainern und Persönlichkeiten. Dieses Mal war es der Brasilianer "Fabinho" (Fabio de Souza) der diesen Job übernahm.

Präsidenten des FC Herisau:

  • Hans Preisig / 1906
  • Ulrich Meier / 1906-1907
  • Hans Weishaupt / 1907
  • Jaques Walder / 1907-1908
  • Hugo Alder / 1908-1910
  • Ulrich Meier / 1910
  • Ernst Sidler / 1910-1911
  • Ulrich Meier / 1911-1914
  • Gustav Späni / 1914
  • Hans Vollenweider / 1914-1916
  • Jakob Tobler / 1916-1919
  • Ulrich Meier / 1917-1918
  • Jakob Tobler / 1918-1919
  • Heinrich Wyss / 1919
  • Otto Meier / 1919-1920
  • Ulrich Meier / 1920-1921
  • Emils Zortea / 1921
  • Walter Steingruber / 1921-1922
  • Ulrich Meier / 1922-1923
  • Willi Eigenmann / 1923-1926
  • Hans Weishaupt / 1926-1928
  • Josef Manser / 1928
  • Max Glassbrenner / 1928
  • Hans Blattner / 1928-1930
  • August Frischknecht / 1930
  • Paul Karrer / 1930-1931
  • Karl Lauterwasser / 1931-1932
  • Willi Egenmann / 1932-1933
  • Ernst Frischknecht / 1933-1937
  • Otto Mannhardt / 1937
  • Eugen Fischer jun. / 1938
  • Hans Käser / 1938-1945
  • Gottfried Rüdisühli / 1945-1946
  • Hans Winzeler / 1946-1947
  • Bruno Grieshammer / 1947-1949
  • Jakob Ulrich Cavelty / 1949-1952
  • René Reichle / 1952-1953
  • Anton Aschwanden / 1953-1956
  • Gottfried Rüdisühli / 1956-1958
  • Arthur Signer / 1958-1961
  • Erich Daume / 1961-1967
  • Jost Leuzinger / 1967-1971
  • Hans Lehmann / 1971-1972
  • Paul Schuhmacher / 1972-1974
  • Edwin Beeler / 1974-1976
  • René Bieri / 1976-1982
  • Hansjörg Jud / 1982-1985
  • Bruno Eugster / 1985-1988
  • René Bieri / 1988-1989
  • Harry Fehrke / 1989-1993
  • Heinz Kühne / 1993-1997
  • Vakant / 1997-1998
  • Peter Hürzeler / 1998-2008
  • Marc Wäspi / 2008-2010
  • Patrick Kobler / 2010-2011
  • Marco Sessa / 2011-2014
  • Walter Thaler / 2014-jetzt

Ehrenmitglieder des FC Herisau:

  • Alder Willi
  • Eugster Bruno
  • Fioranelli Vinicio
  • Fischer Ueli
  • Fossa Silvano (seit 2007)
  • Högger Kurt
  • Hürzeler Peter (seit 2007)
  • Kellenberger Jakob
  • Kunz Josef
  • Lehmann Hans
  • Poser Peter
  • Rey Rudolf
  • Signer Werner
  • Ullmann Niklaus
  • Zellweger Walter
  • Zuberbühler Werner
  • Heinz Künzler (seit 2009)
  • Zuberbühler Karl (seit 2010)
  • Stefan Nef (seit 2010)
  • Marc Wäspi (seit 2010)
  • Bruno Hanselmann (seit 2010)
  • Claudio Bianculli (seit 2012)
  • Nino Zingali (seit 2013)
  • Markus Liechti (seit 2013)
  • Marco Alder (seit 2014)
  • Roger Widmer (seit 2014)
  • «Hucky» Hug (seit 2014)
  • Werner Hug (seit 2014)